Der brodelnde Vulkan: Experten schließen explosiven Ausbruch vor El Hierro nicht mehr aus - Gran Canaria Olé
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Der brodelnde Vulkan: Experten schließen explosiven Ausbruch vor El Hierro nicht mehr aus

Erstellt von am Okt 16th, 2011 und wurde hinterlegt unter El Hierro, Nachrichten, Schlagzeilen. Verfolgen Sie diesen Eintrag per RSS 2.0.

Laut Aussagen von Wissenschaftlern des IGN besteht die Möglichkeit einer so genannten Surtseyanischen Eruption. Das Zusammentreffen von Magma, Wasser und Luft erzeugt dann so genannte phreatomagmatische Explosionen. Derzeit entsteht alle 15 bis 20 Minuten ein sprudelnder Wasserwirbel südöstlich von La Restinga. Dennoch kündigt Kanarenpräsident Rivero die Aufhebung der Evakuierungen an.

VALVERDE/MADRID: Die aktuellsten Aussagen der Wissenschaftler vom Nationalen Geografischen Institut IGN (Instituto Geográfico Nacional) und vom Obersten Zentrum für Wissenschaftsforschung CSIC (Centro Superior de Investigaciones Científicas ) deuten auf einen möglicherweise explosiven Vulkanausbruch vor El Hierro hin.

Nach Meinung der Wissenschaftler handelt es sich bei den aktuellen Eruptionen um die ersten Phasen einer so genannten Surtseyanischen Eruption. Diese ist benannt nach der Insel Surtsey vor Island, die ab 1963 durch Vulkaneruptionen im Meer entstand. Bei dieser Form von Eruptionen handelt es sich um Vulkane, die zunächst ihren Ursprung unter der Wasseroberfläche des Meeres haben.

So begann es bei der Insel Surtsey oder eben jetzt seit Montag vor El Hierro. Während dieser Anfangsphase werden Kissenlaven gebildet, aus denen sich nach und nach ein Vulkangebäude über bis zu Hunderten von Metern aufbaut, bis es die Meeresoberfläche erreicht.

In der Folge findet durch den Einfluss des Sauerstoffs der Luft ein Phasenwechsel statt. Der Ausbruch wechselt in seine explosive Phase über, bei der große Mengen an Tephra ausgeschüttet werden. Durch das Zusammentreffen von Magma, Wasser und Luft werden phreatomagmatische Explosionen erzeugt. Diese Phase hält solange an, bis das Vulkangebäude die Meeresoberfläche derart überragt, dass das Wasser nicht mehr in den oder die Ausbruchsschlote eindringen kann. In diesem Stadium findet ein weiterer Phasenwechsel statt, nämlich ein Übergang in eine effusive Eruption. Laven beginnen zu strömen und bauen den Vulkan weiter auf.

Laut der Website insugeo.org wird über die Theorie nachgedacht, dass auch der katastrophale Ausbruch des Krakatau in Indonesien im Jahr 1883, der eigentlich zu den Explosiven Eruptionen gezählt wird, eine Surtseyanischen Eruption gewesen ist. Dafür spricht, dass bei beiden Formen der Eruption große Mengen an Tephra ausgeschüttet werden. Allerdings bestand der Krakatau vor dem damaligen Ausbruch, dem zweitgrößten Vulkanausbruch der Neuzeit, bereits als Insel, von der nach dem damaligen Ausbruch nur noch rund ein Drittel übrig blieb.

Ein ähnlich heftiger Ausbruch wie vor 128 Jahre ist demnach nach Aussagen der Wissenschaftler nun vor El Hierro unwahrscheinlich. Auch ähnlich hohe Tsunamis wie Ende des 19. Jahrhunderts ausgehend von Indonesien sind nicht zu erwarten.

Aktuell befindet sich der neue Vulkan von El Hierro – über dessen Namen bereits Abstimmungen im Internet laufen (aktuell favorisieren die knapp 5.900 User „Las Calmas“, nach dem Ort der Eruptionen dem „Mar de Las Calmas“ („Meer der Stille“) und „San Borondón“ nach der mystischen Insel, die hin und wieder vor den Kanaren zu sehen ist) – in einer Phase, in der sich das Magma immer weiter aufbaue und Lavablasen Gas an die Wasseroberfläche transportieren. Dieses Phänomen zeigt sich derzeit alle 15 bis 20 Minuten an der Wasseroberfläche südöstlich von La Restinga im Süden von El Hierro als Kreisförmiger Wasserwirbel.

Entscheidend ist nun die Menge Magma, die sich noch unter der Erdkruste im Atlantik befindet. Wird genug Magma aus der Erdspalte austreten, baut sich unterirdisch ein Vulkan auf, der irgendwann an die Wasseroberfläche trifft und dann für die oben beschriebenen phreatomagmatische Explosionen sorgt. Schon vorher, wenn sich der Vulkan nur noch rund 60 m unter der Wasseroberfläche befindet, sind die Eruptionen auch mit bloßem Auge zu sehen. Die letzte Eruption am Samstag etwa 2,4 km vor La Restinga wurde auf eine Tiefe von 150 m geschätzt.

Angesichts dieser aktuellen Erkenntnisse, die die bisherigen Vorsichtsmaßnahmen der Kanarischen Regierung gemäß dem spezifischem Plan zum Zivilschutz und zur Aufmerksamkeit über vulkanische Risiken PEVOLCA (Plan Específico de Protección Civil y Atención de Emergencias por Riesgo Volcánico) gegen die wachsende Kritik aus Wirtschaft, Politik und Bevölkerung von El Hierro unterstützen, überrascht die soeben gemachte Ankündigung von Kanarenpräsident Paulino Rivero, dass die Evakuierung von La Restinga und El Golfo sowie die Schließung des Túnel de Los Roquillos in den kommenden Stunden aufgehoben werden.

Umfrageergebnis über den Namen des neuen Vulkans vor El Hierro

 

Quellen bzgl. der Surtseyanischen Eruption: wikipedia.org und insugeo.org

Bilder: Rafael Avero/LP; c7

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